Selbstwert ist kein Gefühl
Man hört immer wieder, dass Selbstwert ein Gefühl ist. Ein Gefühl, das bestimmt, wer man ist und wie man sich selbst wahrnimmt.
Selbstwert, so wie ich ihn verstehe, ist etwas anderes. Etwas, das wesentlich tiefer geht.
Selbstwert ist kein Gefühl. Er ist ein Ergebnis.
Er entsteht nicht dadurch, dass man sich gut redet oder von anderen gelobt wird. Er entsteht durch tatsächliches Erleben – durch das Durchleben von Entscheidungen, Pannen, Problemen und Siegen. Je mehr ich meine Angelegenheiten anpacke und durchstehe – egal ob sie am Anfang schiefgehen – desto stabiler wird das, was ich mir selbst gegenüber empfinde.
Die Schuld bei anderen zu suchen ist keine Lösung. Es ist eine Flucht.
Eine Flucht vor sich selbst. Wer das Versagen bei anderen ablegt, gibt gleichzeitig die Kontrolle ab – und damit die einzige Möglichkeit, aus der Situation zu wachsen. Die Opferhaltung mag sich im Moment entlastend anfühlen. Aber sie trägt nichts bei. Sie verhindert genau das, was Selbstwert aufbaut: die Erfahrung, dass man mit dem, was kommt, umgehen kann.
Das ist kein Selbstbild, das von der Außenwelt abhängt. Es ist etwas, das in mir lebt, unabhängig davon, ob gerade jemand zusieht oder urteilt. Ich kenne meinen Wert, weil ich ihn erlebt habe. Weil ich ihn mir erarbeitet habe.
Das ist etwas, das bleibt – auch wenn kein anderer anwesend ist.
Niemand kann mir diesen Wert geben. Niemand kann ihn mir nehmen.
Boris Cazin
Executive Coach und Sparringspartner für Unternehmer und Führungskräfte. 30 Jahre Personenschutz. 45 Jahre Kampfkunst. Köln / NRW – auch online.